Zum Inhalt springen
SkillPass

Nachfolgeplanung: Schlüsselpositionen in 6 Schritten absichern

Nachfolgeplanung ist ein Instrument der Personalarbeit: Du legst fest, welche Schlüsselpositionen dein Unternehmen absichern muss, und bereitest Menschen darauf vor, sie zu übernehmen, wenn die heutige Stelleninhaberin geht, in Rente geht oder plötzlich ausfällt. Gemeint ist nicht die Unternehmensnachfolge, also die Übergabe des eigenen Betriebs. In einem kleinen Unternehmen heißt Nachfolgeplanung meist: für jede kritische Rolle wissen, wer morgen einspringt, wer sie dauerhaft übernehmen könnte und ob das Wissen dieser Rolle irgendwo außerhalb eines einzigen Kopfes existiert.

Autor: Kevin Baur BSc

Veröffentlicht am

Inhalt

Über Nachfolgeplanung denken viele Betriebe erst nach, wenn eine wichtige Person gekündigt hat. Dann ist aus der Planung schon Krisenbewältigung geworden. Dieser Ratgeber erklärt, was Nachfolgeplanung bedeutet, wie sie sich von Unternehmensnachfolge und Stellvertretung unterscheidet und wie du in sechs Schritten einen einfachen Nachfolgeplan aufstellst, mit einem Beispiel zum Übernehmen.

Was ist Nachfolgeplanung?

Die deutschsprachige Wikipedia beschreibt Nachfolgeplanung als Instrument des Personalwesens, das die Nachfolge von Führungspositionen sicherstellen soll. Frühe Formen waren vor allem Listen möglicher Nachfolger. Moderne Nachfolgeplanung ist eine Folge aufeinander aufbauender Schritte: Schlüsselpositionen bestimmen, das Risiko einer Vakanz einschätzen, interne Talente finden und gezielt vorbereiten. Sie wird heute meist als Teil des Talentmanagements gesehen. Ein häufiges Synonym ist Nachfolgemanagement.

Drei Punkte sind für die Praxis wichtig:

  • Es geht um Positionen, nicht um Personen. Du beginnst mit den Rollen, deren Ausfall weh tut, und fragst erst danach, wer sie füllen kann.
  • Sie wirkt im Voraus. Ein Nachfolgeplan entsteht, bevor eine Stelle frei ist.
  • Sie betrifft nicht nur Führungskräfte. Der britische HR Berufsverband CIPD weist darauf hin, dass klassische Programme Fachleute übersehen haben, deren Wissen kritisch ist, und dass viele Organisationen kritische Rollen heute auf allen Ebenen bestimmen.

Gerade im Mittelstand ist die Person, die du am wenigsten verlieren darfst, oft nicht die Geschäftsführung, sondern die eine Buchhalterin, die alle Besonderheiten der Lohnabrechnung kennt, der Techniker, der die alte Anlage am Laufen hält, oder der Vertriebler mit dem wichtigsten Kunden.

Nachfolgeplanung, Unternehmensnachfolge und verwandte Begriffe

Mehrere Begriffe werden mit Nachfolgeplanung verwechselt. Sie überschneiden sich, beantworten aber jeweils eine andere Frage.

Nachfolgeplanung und ihre Nachbarbegriffe
BegriffFrageErgebnis
StellvertretungWer vertritt diese Person bei Urlaub oder Krankheit?Vertretungsregelung je Stelle
NachfolgeplanungWie bleiben Schlüsselpositionen dauerhaft besetzt?Schlüsselpositionen, Risikobewertung, Nachfolger, Entwicklungsplan
UnternehmensnachfolgeWer übernimmt den Betrieb, wenn die Inhaberin aufhört?Verkauf, Übergabe in der Familie oder an das Management
WissenstransferWie kommt das Wissen einer Person zur nächsten?Übergabedokument, Gespräche, Einarbeitung
NotfallplanungWie arbeiten wir bei jeder Art von Störung weiter?Notfallhandbuch für IT, Standorte, Lieferanten und Personal

Wenn du deinen eigenen Betrieb übergeben oder verkaufen willst, ist das Unternehmensnachfolge, ein Thema mit viel Recht und Steuern. In Deutschland ist die Unternehmensbörse nexxt change des Bundeswirtschaftsministeriums und seiner Partner (unter anderem KfW, DIHK und ZDH) eine gute erste Anlaufstelle. In diesem Ratgeber geht es um die Personalseite: Schlüsselrollen besetzt halten.

Warum Nachfolgeplanung in kleinen Teams so wichtig ist

Konzerne haben Tiefe: Geht ein Controller, übernimmt ein anderer. Ein Team mit 10 oder 30 Leuten hat meist genau eine Person je Aufgabe. In der Softwareentwicklung heißt das Bus Faktor: die Zahl der Menschen, die ausfallen müssten, bis ein Projekt stillsteht. In vielen kleinen Betrieben liegt er für mehrere Rollen gleichzeitig bei 1.

Das eigentliche Risiko ist selten der leere Stuhl. Eine Stelle lässt sich ausschreiben. Riskant ist alles, was mit der Person geht: die Reihenfolge im Monatsabschluss, der Lieferant, der einen Anruf statt einer Mail braucht, der Workaround für einen Fehler im System, den nie jemand gemeldet hat. Vieles davon ist implizites Wissen, das der Person selbst kaum bewusst ist. Nachfolgeplanung ist der Moment, es zu finden, solange noch Zeit ist.

Nachfolgeplan erstellen in 6 Schritten

1. Schlüsselpositionen bestimmen

Geh dein Team durch und markiere jede Rolle, auf die mindestens ein Punkt zutrifft:

  • Umsatz, Kunden oder gesetzliche Pflichten hängen direkt an ihr.
  • Nur eine Person kann die Aufgabe, oder nur eine Person weiß, wie.
  • Eine Neubesetzung samt Einarbeitung würde länger als drei Monate dauern.
  • Die Person hält Beziehungen zu Kunden, Lieferanten oder Behörden, die nirgends dokumentiert sind.

Entscheidend ist die Wirkung eines Ausfalls, nicht die Stelle im Organigramm.

2. Risiko je Position einschätzen

Schätze für jede Schlüsselposition zwei Dinge: Wie wahrscheinlich wird sie in den nächsten ein bis zwei Jahren frei (Rente, bekannter Wechselwunsch, Elternzeit, schwer zu haltende Rolle)? Und wie groß wäre der Schaden bei einem plötzlichen Ausfall? Eine einfache Matrix reicht.

Risikomatrix Nachfolge
Schaden bei plötzlichem AusfallVakanz unwahrscheinlichVakanz wahrscheinlich
HochWissen dokumentieren, Notfallvertretung benennenHöchste Priorität: Nachfolge, Dokumentation, Überlappung
GeringEinmal im Jahr prüfenNeubesetzung planen, Grundlagen dokumentieren

3. Notfallvertretung und dauerhafte Nachfolge benennen

Trenne zwei Fragen, die oft vermischt werden. Wer übernimmt morgen, wenn die Person ohne Vorwarnung fehlt? Und wer könnte die Rolle dauerhaft übernehmen, jetzt oder in ein bis zwei Jahren? Das sind oft verschiedene Menschen. Die Notfallvertretung hält für ein paar Wochen das Wichtigste am Laufen, die Nachfolge braucht Entwicklung. Gibt es intern niemanden, schreib auch das auf. „Externe Besetzung nötig“ ist ein ehrlicher und gültiger Plan.

4. Das Wissen der Rolle aus einem einzigen Kopf holen

Diesen Schritt lassen die meisten Nachfolgepläne aus, dabei brauchen kleine Unternehmen ihn am dringendsten. Ein benannter Nachfolger hilft wenig, wenn das nötige Wissen nur im Gedächtnis der heutigen Stelleninhaberin liegt. Halte für jede Schlüsselposition fest: wiederkehrende Aufgaben und Fristen, Systeme und Zugänge, wichtige Ansprechpartner, laufende Projekte und vor allem die Ausnahmen und die Gründe hinter Entscheidungen. Das passende Format ist ein Übergabedokument, und die kostenlose Übergabevorlage gibt dir eine Struktur zum Ausfüllen. Warte damit nicht auf eine Kündigung.

5. Die Nachfolge entwickeln

Der CIPD nennt Wechsel auf gleicher Ebene, befristete Einsätze in anderen Bereichen und Führungskräfteentwicklung als Wege, Erfahrung aufzubauen. Im kleinen Betrieb heißt das ganz praktisch: Die Nachfolge begleitet die Rolle eine Zeit lang, übernimmt eine wiederkehrende Aufgabe nach der anderen, macht die Urlaubsvertretung und bekommt ein Projekt, bei dem sie die wichtigsten Kontakte kennenlernt. Ein geplanter Wissenstransfer mit Gesprächen und einer Rückprobe (die Nachfolge erklärt die Aufgabe zurück) wirkt besser als Dokumente lesen.

6. Den Plan regelmäßig prüfen

Menschen, Rollen und Pläne ändern sich. Prüf den Nachfolgeplan mindestens einmal im Jahr und nach jeder größeren Veränderung, etwa einer Kündigung, einer Umstrukturierung oder einem neuen Großkunden. Aktualisiere die Übergabedokumente gleich mit, sonst veralten sie unbemerkt.

Beispiel: Nachfolgeplan für einen Betrieb mit 15 Mitarbeitenden

Ein erfundenes Beispiel, das das Format zeigt. Eine Zeile je Schlüsselposition genügt.

Beispiel Nachfolgeplan (fiktiver Betrieb)
PositionRisikoNotfallvertretungDauerhafte NachfolgeWissen dokumentiert?Nächster Schritt
Buchhaltung und LohnHoher Schaden, Rente in 18 MonatenSteuerberatungBürokraft, in 12 Monaten bereitTeilweiseÜbergabedokument bis Quartalsende, monatlich begleiten
Leitung KundendienstHoher Schaden, Vakanz unwahrscheinlichErfahrener TechnikerErfahrener TechnikerNeinEigenheiten der Anlagen und Lieferantenkontakte festhalten
Key AccountHoher Schaden, Wechselwunsch angedeutetGeschäftsführungExterne Besetzung nötigNeinZweiten Ansprechpartner bei den drei größten Kunden einführen
IT AdministrationMittlerer SchadenIT DienstleisterIT DienstleisterJaZugangsliste einmal im Jahr prüfen

Achte auf die Spalte „Wissen dokumentiert?“. In der Praxis steht dort am häufigsten „Nein“, und genau sie entscheidet, ob eine Nachfolge tatsächlich loslegen kann.

Typische Fehler bei der Nachfolgeplanung

  • Nur die Spitze planen. Die unersetzliche Fachkraft ist oft stärker gefährdet als die Geschäftsführung.
  • Ein Name ohne Übergabe. Eine Nachfolge auf dem Papier, die die Aufgabe nie gemacht hat und keine Unterlagen hat, ist kein Plan.
  • Alles geheim halten. Der CIPD warnt, dass vertrauliche Verfahren Vertrauen untergraben können. Wer nie erfährt, dass er als Nachfolger vorgesehen ist, geht womöglich.
  • Bis zum Rentenbeginn warten. Der Ruhestand ist der eine Abgang, den du kommen siehst. Wie du die Zeit nutzt, zeigt der Ratgeber zum Wissenstransfer vor der Pension.
  • Kein Plan für den plötzlichen Fall. Krankheit, Unfall und kurzfristige Kündigungen halten sich an keinen Plan. Dann tragen dich die Notfallvertretung und das dokumentierte Wissen.

Weiterlesen

Häufige Fragen

Was ist Nachfolgeplanung einfach erklärt?
Du legst im Voraus fest, wer jede Rolle übernehmen kann, ohne die dein Betrieb nicht läuft, und bereitest diese Menschen und das nötige Wissen vor, bevor die heutige Stelleninhaberin geht.
Was ist der Unterschied zwischen Nachfolgeplanung und Unternehmensnachfolge?
Unternehmensnachfolge regelt, wer den Betrieb übernimmt, wenn die Inhaberin aufhört, etwa durch Verkauf oder Übergabe in der Familie. Nachfolgeplanung ist ein Personalthema und sorgt dafür, dass Schlüsselpositionen im Unternehmen besetzt bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen Nachfolgeplanung und Stellvertretung?
Die Stellvertretung überbrückt Urlaub oder Krankheit. Nachfolgeplanung geht weiter: Sie bewertet das Risiko je Schlüsselposition, benennt eine dauerhafte Nachfolge, entwickelt sie und sichert das Wissen der Rolle. Die Notfallvertretung ist ein Teil davon.
Brauchen kleine Unternehmen eine Nachfolgeplanung?
Ja, oft dringender als große, weil viele Rollen von genau einer Person besetzt sind. Ein Talentprogramm ist nicht nötig. Für den Anfang reicht eine Tabelle mit Schlüsselposition, Risiko, Notfallvertretung, möglicher Nachfolge und Stand der Dokumentation.
Was gehört in einen Nachfolgeplan?
Die Schlüsselpositionen, eine Risikobewertung je Position, eine Notfallvertretung, eine dauerhafte Nachfolge oder der Vermerk, dass extern besetzt werden muss, der Stand der Dokumentation, Entwicklungsschritte für die Nachfolge und ein Termin für die nächste Prüfung.
Wie oft sollte der Nachfolgeplan aktualisiert werden?
Mindestens einmal im Jahr und nach jeder größeren Veränderung, etwa einer Kündigung, einer Umstrukturierung oder einem neuen wichtigen Kunden. Die Übergabedokumente der Rollen gleich mit aktualisieren.

Quellen

Zurück zur Übersicht